Donnerstag, 21. Oktober 2010

Abschied

Liebe Sportlerinnen und Sportler, liebe Freunde,

gut vier Jahren war ich in die Organistion des DFRT's eingebunden - eine unglaublich schöne und nachhaltige Entwicklung, die das Team von 2006 bis heute geschafft hat!
Es zählt aber nicht nur die Masse sondern jede kleine Begegnung, sei es auf dem Rad oder auch in Sitzungen des Leitungsteams, denn, wie Heinz irgendwann einmal geschrieben hat: "Es muss rund laufen - vor und hinter den Kulissen." Aus beruflichen und zeitlichen Gründen habe ich gestern Abend Abschied aus dem Teil "hinter den Kulissen" genommen, was mir nicht leicht fiel.


"Vor den Kulissen" werde ich im nächsten Jahr wieder hoffentlich öfters am Start sein - ich freue mich heute schon darauf!
Danke an alle, die dazu beigetragen haben, dass das Diakonie Fund Racing Team heute das ist, was es ist: eine weiß-blaue Großfamilie!

Sandra

Dienstag, 19. Oktober 2010

Damit es auch im nächsten Jahr weitergehen kann ….

Der Leitungsausschuss für Diakonie Fund Racing hat sich heute getroffen und das neue Jahr geplant. Sobald der Finanzrahmen steht, geht eine Übersicht über die geplanten Aktivitäten für das Jahr 2011 raus. Im Augenblick gehen wir davon aus, dass wir in der Gesamtplanung so weitermachen können wie in diesem Jahr.


Außerdem haben wir vor, unser Management den gestiegenen Anforderungen anzupassen. Schließlich sind wir in diesem Jahr wieder erheblich gewachsen. Im vergangenen Jahr sind 117 Biker eine oder mehrere Touren bei uns gefahren, in diesem Jahr waren es 145! Wie viele werden das wohl im nächsten Jahr sein? Jedenfalls wollen wir für die kommenden Jahre gerüstet sein.

Leider, leider haben wir Sandra verabschieden müssen. Sie wird im Management keine Aufgaben mehr übernehmen können. Das ist für uns ein schmerzlicher Verlust, ihr Engagement, ihre Kompetenz und nicht zuletzt ihre Begeisterung für unsere Sache wird uns fehlen! Sie wird aber nach wie vor bei unseren Touren mit dabei sein. Ich, und nicht nur ich, freue mich jetzt schon auf ein Wiedersehen!

Heinz

Freitag, 15. Oktober 2010

Tag der Deutschen Einheit und wieder Saisonende

Wie im letzten Jahr endete meine Saison 2010 wieder mit dem Münsterland Giro in der selbsternannten Hauptstadt des Radsports Münster. Diesmal stand mit der 90km Strecke allerdings eine etwas längere Strecke auf dem Programm, die dazu auch etwas hügeliger war. 600 Höhenmeter hören sich zwar lächerlich an, sind im Renntempo aber doch zermürbend.


Von Beginn an wurde ein sehr hohes Tempo gefahren, so dass sich nach dem ersten längeren Anstieg die erste Gruppe aufteilte. Ich fand mich leider in der zweiten Gruppe - die lange Saison und die jetzt fehlende Form machten sich leider bemerkbar. Wir hielten uns zwar lange lange in Sichtweite hinter der Spitze, schafften aber nie den Anschluss, so dass sich das Tempo an den weiteren Anstiegen mäßigte. So unrecht war mir das nicht, da meine Körner nach 60km verschossen waren. Die Gruppe hielt sich dann auch bis ins Ziel und ich sprintete immerhin noch als respektabler 66. durchs Ziel.

Somit endete eine anstrengende Saison für mich wieder mit einem perfekt organisiertem Rennen und einem tollen Wetter. Darauf waren ein paar Landbiere fällig! :-)


Vielen Dank an Friedel und seine Frau Geli, die mit ihrer Gastfreundschaft das Wochenende perfektionierten! Nächstes Jahr bin ich am Tag der Deutschen Einheit zu 99% wieder in Münster zu finden
PS: Falls jemand die Bilder genauer anschaut und sowas ähnliches wie Sommersprossen im Gesicht und auf dem Trikot erkennt - ein Feldweg war noch etwas dreckig vom Regen der Tage davor

Dienstag, 5. Oktober 2010

Ötztaler Radmarathon 2010 – ich habe einen Traum

 
"Die Königin aller Pässe"  das Stilfser Joch mit Tibethütte

©: Michael Müns

„Warum machst Du das eigentlich?“ frägt mich meine Frau am Freitagabend beim Italiener in Meran. Keine negativ gestellte Frage, ich merke, dass Sie sich die schon länger stellt, aber auf den richtigen Zeitpunkt gewartet hat mich danach zu fragen. Während der ganzen Vorbereitung hab ich mir die nicht wirklich selbst gestellt, in zwei Tagen sicher des Öfteren am Berg. „Für mich selbst“ fällt mir dazu nur ein. Nach einem Unfall im Alter von 20 Jahren, mit 7 Schutzengel und einem Rucksack, der sich zwischen Straße und Kopf geschoben und somit mein Leben gerettet hat (damals noch ohne Helm und mit 70 den Berg runter) habe ich das Radfahren aufgegeben. Seit fünf Jahren fahr ich nun wieder Fahrrad, die letzten vier Jahre trainiere ich ernsthafter. Zuerst auf Alb Extrem, die „kleine Runde“. Dann die mittlere und irgendwann, nachdem ich den Bericht von meinem Bruder (Matthias Imkampe) gelesen habe auf den Ötztaler. Mit 7.500 Trainingskilometern in den Beinen und fast 15 Kilo weniger auf den Hüften mache ich mich am Samstag mit dem Auto von Meran auf den Weg nach Sölden. Ich habe in den Bergen rund um Meran noch einige Kilometer und Höhenmeter gesammelt. Das Stilfser-Joch noch am Wochenende zuvor von Meran aus, immerhin 155 km und 2.500 Höhenmeter, bei tollem Wetter erklommen. Die Woche vor dem Ötztaler habe ich mit Rollen nach Bozen, Wandern zur Entspannung in der Texel Gruppe und Schwimmen in der Therme von Meran verbracht (sehr empfehlenswert). Mein Ziel ist: Ankommen und zwar auf dem Fahrrad und am Stück. Mit 1,85 und 83 Kilo bin ich für die Berg „etwas“ schwer und zugegeben, Essen und Trinken kann ich schon. Man soll seinem Körper auch etwas Gutes tun, damit sich die Seele darin wohl fühlt. Aus mir wird niemals ein Hungerhaken. Die Wetterprognosen sind nicht sonderlich gut. Die Schneefallgrenze soll auf 2.300 Meter fallen und es ist Regen angesagt. Das Wetter in Meran ist sehr windig aber schön. Kaum vorstellbar, dass es auf der anderen Seite des Berges über 10 Grad kälter sein soll. Als ich durch St. Leonhard fahre denke ich mir, „Ok, bis hier ist das morgen zwar nicht ganz die Distanz von Alb Extrem, aber die Höhenmeter (3.300) das schaffst Du locker, wie im Juni dieses Jahr“. Bei der Auffahrt aufs Timmelsjoch weicht diese Lockerheit proportional zu den Höhenmetern. Ich bin das Timmelsjoch schon mehrfach gefahren, allerdings immer frisch oder maximal in Verbindung mit dem Jaufenpaß. Oben im „Krähennest“, der steile Schlussanstieg mit den Kehren in der steilen Wand, hängen Trikots aus den vergangenen Jahren. Die Wetterprognose im Hinterkopf denke ich mir: „Die bekommst Du morgen nicht zu sehen“. In Sölden angekommen bestätigt sich leider die Vorhersage. Es regnet, es ist kalt und dazu auch noch windig. Meine Sportskameraden begegnen mir schon auf der Abfahrt vom Timmelsjoch auf dem Fahrrad, an der steilen Rampe zum Rettenbachferner und ich frage mich in welchem Trainingsbuch eigentlich steht, dass man sich einen Tag vor dem Wettkampf noch mal so richtig die Beine verbiegen soll.

Samstag Nachmittag in Sölden

©:Michael Müns

Mein Professor für Gebäudetechnik kommt mir dann in den Sinn. Bei der ersten Prüfung hat er zu uns gesagt: „Meine Damen und Herren, sie müssen das heute nach dem olympischen Motto sehen: Dabeisein ist alles!“ Jawohl Herr Kapitänleutnant – ich bin dabei, aber das ist noch nicht alles!Beim abholen meiner Startunterlagen wittere ich die Stimmung im Zielraum. Wie wird es wohl sein wenn man(n) um die letzte Kurve fährt und der Traum tatsächlich Wirklichkeit wird?Zuerst gibt es aber Nudeln, nicht zu viele aber auch keine Kinderportion. (Das Gutenacht Bier lassen wir heute lieber weg, beschließe ich mit meinem Tischnachbarn). Auf der Bühne ist irgendein Meister im Bodypainting zu Gange und kippt Farbe über drei leicht bekleidete Damen. Die fast 500 Radfahrerinnen beim Ötztaler kriegen nichts zum kucken. Meine Tischnachbarn und ich fragen uns was das mit Radfahren zu tun hat. Vielleicht gibt es ja bald Instant Trikots aus der Flasche zum selber kippen.Bei der Fahrer Besprechung geht es um ein zentrales Thema: Bitte fahrt vorsichtig und mit Helm. DenÖtztaler hat noch keiner den Berg runter gewonnen, aber schon zwei Ihr Leben verloren. ZurVeranschaulichung wird auch noch ein Bild von einem Verletzten der letzten Jahre gezeigt.Da denk ich kurz zurück, die Tapete war damals ziemlich runter. Alles hat weh getan, das Fahrrad imEimer, aber ich heilfroh am Leben zu sein. Angst habe ich vor dem Sonntag aber keine, jedoch Respekt.Mein Material habe ich sorgfältig geprüft und ich bin gut vorbereitet. Ich kenne bis auf den Kühtai alleAbfahrten und werde es morgen langsam angehen lassen.Franz Beckenbauer begleitet mich ins Bett: „Schau mer mal“. Wenn es morgen immer noch regnet,frühstücke ich gemütlich und genieße eine weitere Woche in Meran… Vielleicht fahre ich dann trotzdembis zum Kühtai und wenn es dort schneit kann ich immer noch umdrehen... Wenn es zu kalt ist…Der Wecker bimmelt um 5:00 Uhr. Es ist draußen trocken aber kalt. Nutella und Kaffee bringen denKreislauf und die Verdauung in Schwung. Im Gegensatz zu Alb Extrem: Es gibt keine Toilettenhäuser ander Strecke! Meine Kleider habe ich am Abend vorher schon bereit gelegt und bin somit viel zu frühangezogen und startklar. Genügend Zeit im Zimmer noch nervös herumzuturnen ob ich auch ja allesdabei habe. Besser raus und aufs Rad …Trotzdem lande ich in der Startreihe im hinteren Viertel. Egal, die Stimmung unter den Rucksackträgernist gut. Es ist kalt, mein Nachbar behauptet 5 Grad über Null. Ich bin dick angezogen, weil ich eigentlichheißes Wetter liebe. 30 Grad aufwärts fühl ich mich wohl. Um mich starten einige in kurzer Radmontur.Ich habe beschlossen heute nicht in Schönheit zu sterben, sondern meinem Körper wenigstens dasfrieren zu ersparen.Hubschrauber kreisen über uns und filmen über 4.000 Rad-Fan-atiker, die auf den Startschuss warten.Dieses Jahr gibt es drei davon. Zuerst starten zum 30er Jubiläum die Klassik Radfahrer. Nicht genug dieDistanz von 238 Km und 5.500 Höhenmeter zu bewältigen, die 30 Fahrer bewältigen das mit Fahrräderndie mit antiken Schaltungen und wesentlich schwereren Rahmen ausgestattet sind. Nur zwei werden dasZiel nicht erreichen. Beim zweiten Startschuss startet der erste Startblock, der den Sieger und die eswerden wollen beinhaltet.Beim dritten kommt der zweite Startblock mit den ambitionierten Fahrern, die schon eine Stunde in derKälte ausharren und weiter hinten die Träumer, die etwas länger liegen geblieben sind (zu denen ichgehöre). Bis ich die Startlinie passiere sind schon 10 Minuten vergangen. Es dauert eben bis über 8.000Schuhe in die passenden Pedale geklickt sind.Es geht zuerst nach Ötz, größtenteils bergab. 500 Meter nach dem Start steht schon der ersteKrankenwagen, der eine Verletzte versorgen muss. Im Gedränge ist Sie wohl zu Sturz gekommen, wie ich eine Woche später erfahren habe. Sie wollte in der Altersklasse bis 60 Jahre gewinnen und hätte dort sehr gute Chancen gehabt. Der Tacho zeigt mir nach 45 Minuten einen 45er Schnitt an. Mein Zeitlimit habe ich gerade so eingehalten (ich habe nicht berücksichtigt, dass ich 10 Minuten Verspätung hatte).Von Ötz aus geht es auf den Kühtai. Über tausend Höhenmeter mit vielen Rampen über 10%. Spätestenshier frage ich mich ob ich bei der richtigen Veranstaltung bin und richtig trainiert habe. Einige fahrenwie die Bekloppten. Im Nachhinein sehe ich, dass mich am Kühtai ca. 500 Fahrer überholt haben. Ichlasse mich nicht aus dem Konzept bringen und fahre nach meinem Zeitplan weiter, auch wenn es schwerfällt sich zurückzuhalten.Die Beine sind gut, es ist zwar immer noch kalt aber es regnet nicht. Kurz vor der Passhöhe sieht man die ersten traurigen Gesichter, die sich mit dem Aufgeben abfinden. Auf dem Pass ist die erste Verpflegung mit Wasser, Suppe und allen möglichen Riegeln und Kuchen. Die Ankunftszeit ist exakt nach Plan, ebenso wie die Pause ohne dass ich Hektik machen muss. (An der Stelle lacht sich meine Frau jetzt schepps!)Es liegt ziemlich viel Müll auf der Straße und ich frage mich, warum Radfahrer alles immer wegwerfenmüssen. Auf dem Weg zum Kühtai haben schon viele Ihre Gels und Riegel einfach in die Landschaftgeworfen, obwohl darauf die sofortige Disqualifikation stand. Als ordentlicher Deutscher nehm’ ichmeinen Müll natürlich wieder mit – SAVE THE PLANET!
Auf dem Weg zur Passhöhe auf dem Kühtai

© foto:sportograf.com

Ich ziehe wieder meine Winterjacke an und mache mich an die Abfahrt. Mit teilweise über 80 Sachen geht es den Kühtai bergab. Für mich reicht das, anderen wohl nicht. Einer davon wurde gerade mit Halskrause und blutüberströmten Kopf in den Helikopter verfrachtet  als ich vorbeifahre. Da hätte ich fast in den Graben gek….!

Abfahrt vom Kühtai, mit über 80 Km/h

 ©: foto:sportograf.com

Autoverkehr behindert uns in der Abfahrt und einige Kollegen überholen waghalsig in Kurven und hoffen einfach darauf, dass kein Gegenverkehr kommt. Es ist für meinen Geschmack saukalt und ich bin froh lange Handschuhe dabei zu haben. In den Ortschaften vor Innsbruck und dort selbst stehen viele Zuschauer die uns anfeuern. Das tut gutebenso wie die Sonne die sich blicken lässt. Den Brenner gehe ich etwas schneller an. 777 Höhenmeterauf 37 Kilometer verteilt. Ich erwische eine Gruppe mit der ich meine Zeitvorgabe um fast eine halbeStunde unterbiete. Das wichtigste am Brenner ist: Immer gut verstecken und im Windschatten fahren.Auf dem Brenner ist die Verpflegungsstation proppenvoll. Eine Musik Combo sorgt für Stimmung undKöche mit Kartoffeln aus der Pfanne, Suppe und anderen Leckereien für das leibliche Wohl. Ich rufe kurz meine Frau an und gebe Ihr Bescheid, dass ich bald in St. Leonhard sein werde. Sie wird von Meran aus dorthin fahren und mich das Timmelsjoch hochwärts nach Sölden begleiten.Die Abfahrt nach Sterzing dauert nicht lange, ich fahre bei Anja (die ich nicht kenne, aber jederTeilnehmer hat seinen Namen auf dem Rückenschild) im Windschatten. Sie tritt alles in den Schatten was bergab fährt, Respekt.Der Jaufenpaß ist schön zu fahren. Mit 8% Durchschnittssteigung weitere 1.150 Höhenmeter ohnesteile Rampen wie am Kühtai oder Timmelsjoch kann man sich hier gut in seinen Rhythmus fahren. DieUhrzeit haben nun alle im Blick. Um 15:30 ist in St. Leonhard Schluss. Auf dem Jaufenpaß treffe ichzufällig eine Gruppe aus Pforzheim, die ich drei Wochen zuvor an der Kaltenbronner Wand imSchwarzwald kennengelernt habe. Die gehen das Thema radeln schon deutlich ernster an, wollten aberden Ötztaler „schön gemütlich und mit vielen Fotos“ bestreiten. Damals hab ich mich verabschiedet mitden Worten: „Vielleicht sehen wir uns“, Antwort: „Unter 4.000 Radlern wohl kaum, haha!“
 
Jaufenpass Panorama

©: foto:sportograf.com

Tja, gemütlich sahen sie nicht mehr aus, und Fotos wollte auch keiner mehr machen. Ich fühle michbesser, weil ich bis jetzt alles richtig gemacht habe und ich immer noch gute Beine habe. „Was kommtden nun noch nach dem Jaufenpaß?“ Wollen sie von mir wissen. „Na das Timmelsjoch …“ Ich beschreibe den Kollegen das Profil und wünsche Ihnen viel Glück, warne Sie aber schon mal vor der Ortschaft Moos, weil: nach Moos geht’s los.Die Abfahrt vom Jaufenpaß ist gefährlich, es gibt fürchterliche Längsrillen in der Straße, in denen manseine Reifen samt Felge komplett versenken und dann im Anschluss die Landschaft recht intensiverleben kann.In St. Leonhard wartet meine Frau auf mich. Antje fährt auch für die Diakonie. Sie wird mich auf demFahrrad aufs Timmelsjoch und nach Sölden begleiten. Sie hat die Wunderwaffe Cola dabei. Nach Moos bin ich froh darüber, denn es geht tatsächlich los, der erste (und einzige) Hänger.
 
Im Tunnel von Moos

© foto:sportograf.com

Am Timmelsjoch mit seinen 1.760 Höhenmetern fängt der Ötztaler Radmarathon erst richtig an. Normalerweise würde ein Radrennen schon am Jaufenpaß enden. Nach Moos und am Ende vor dem Gipfel stehen kilometerlange Rampen mit 13% an. Bis zur Verpflegung in Schönau habe ich dennoch mein selbstgesetztes Zeit Limit um fast eineinhalb Stunden unterboten. Ich könnte den Rest also eigentlich auch laufen und würde dennoch rechtzeitig ins Ziel kommen.  Aber das ist nicht nötig. In den Kehren des Krähennests, dem steilen Teil in der Wand des Timmelsjochs fahre ich tatsächlich an den T-Shirts vorbei! Ein unglaubliches Gefühl, vor allem mit dem Zeitpolster im Rücken kann ich das sogar immer noch ohne Schmerzen genießen.
 
Auf dem Timmelsjoch

©: foto:sportograf.com

Bei der letzten Getränkestation mache ich dann leider einen Anfängerfehler. Ich trinke eine zu kalte Cola ohne Kohlensäure. Das rächt sich auf dem Gipfel, ich bin grün im Gesicht. Freude wäre aber auch im normalen Zustand nicht aufgekommen, denn es wartet noch der Gegenanstieg zur Mautstation. Langsam fahre ich mit meiner Frau das Timmelsjoch hinunter. Schon wieder habe ich einen Schutzengel. Diesmal sogar mit Fahrrad, der mich diesmal sicher nach Sölden bringt. Die Sonne ist fast weg und es ist bitterkalt. Ich lasse mir Zeit, weil der Magen den Kreislauf durcheinander bringt und mir meine Platzierung sowieso egal ist. Viele laufen inzwischen am Straßenrand und schieben ihr Fahrrad Richtung Sölden. Beim überholen feuern fast alle die auf dem Rad sitzen die „Fußgänger“ an. Die Rucksackabteilung ist eine angenehme Gesellschaft.
 
Abfahrt vom Timmelsjoch (mein Schutzengel im Hintergrund)

©: foto:sportograf.com

Bergauf geht aber immer noch gut, die Mautstation ist bald in Sicht und wir fahren vollends nach Sölden ab. Wie ich später mitbekomme ist auch dort einer zu schnell gewesen, oder es war zu kalt? Statt um die Kurve zu fahren ging es geradeaus in den Wald. Leider hat das keiner gesehen, so dass Sie in erst später mit dem Hubschrauber retten konnten. Ihm ist zum Glück nichts Schlimmeres passiert.
 
Zieleinfahrt in Sölden, nach 12:20 h im Sattel

©: foto:sportograf.com

Kurz darauf weiß ich wie es ist, ins Ziel des Ötztalers zu fahren. Mein Namen wird durchgesagt und auch meine Fahrzeit: 12:20 h. Das hätte ich niemals gedacht und rückblickend hätte ich auch noch schneller sein können, aber das ist mir nicht nur in diesem Moment egal. Ich habe mein Ziel ohne Schmerzen erreicht und zwar am Stück und ich war nicht nur dabei sondern mittendrin!
Der Magen beruhigt sich wieder und ich hol mein Finisher Shirt ab. Die Kollegen aus Pforzheim sehe ich zum zweiten Mal (kann ja auch nicht anders sein, oder?). Sie haben es auch geschafft, sind aber ziemlich kaputt. Meine Frau freut sich mindestens genauso wie ich. Ohne Ihre Unterstützung das ganze Jahr über wäre das so nicht möglich gewesen. Das habe ich Ihr bis jetzt noch gar nicht gesagt, aber der richtige Zeitpunkt dafür kommt noch …
Ich rufe als erstes meinen Bruder an, mit dem ich die Tage ständig Kontakt hatte. Er hat mich aufgemuntert und vor allem die Angst genommen im Ernstfall auch scheitern zu können, das Wetter mit mir besprochen und von seinen beiden Ötztalern erzählt von denen er einen im Schneetreiben abbrechen musste. Er würde gerne mit mir nochmals den Ötztaler fahren. Ob ich das nochmal machen muss frage ich mich in diesem Moment nicht. Am Montagmorgen ist das Timmelsjoch und kurze Zeit später auch der Jaufenpaß gesperrt worden,wegen Schneefall. Manchmal gehört auch Glück dazu. Davon gab es dieses Jahr bei Ötztaler Radmarathon jede Menge.
Muskelkater hatte ich die darauffolgende Woche überhaupt keinen. Am darauffolgenden Sonntag bin ich zum Saisonabschluss sogar noch den 6-fachen Freiolsheimer beim Forchheimer Radsportvereingefahren. Die haben zum wiederholten Male die Mannschaftswertung beim Ötztaler gewonnen. Das Profil der RTF ist entsprechend: Hauptsache Bergauf. 171 Km mit 3.700 Höhenmetern.
Ich fahre in meinem Finisher Shirt und genieße meinen Traum …
 
Michael Müns