Dienstag, 17. Juli 2012

Bericht zum Tannheimer Tal Rad-Marathon 2012

Schon bei unserer Ankunft am Samstag, den 14.07. hatte es fast durchgehend geregnet. Wir überlegten daher schon, ob wir überhaupt starten sollten, falls sich die Wetterlage nicht verbesserte.
Am Sonntagmorgen um sechs Uhr hatte sich regentechnisch überhaupt nichts verändert. Wir wagten also den Start, der pünktlich um acht Uhr stattfand.

Rainer Knauer in Tannheim
Innerhalb der ersten Viertelstunde war schon keine einzige Stelle am Körper mehr trocken. Bei einer Temperatur von rund zehn Grad Celsius gab es gewiss angenehmere Dinge. Noch dazu war es nicht gerade von Vorteil, dass die Strecke mit einer langen kühlen Abfahrt begann. Genauer gesagt passierten wir bis zum ersten Versorgungspunkt in Holzgau nach rund 70 Kilometern kaum Anstiege.

Irgendwann nach etwa 50Km fuhr dann Gerrit Glomser neben mir und meinte, er sei froh, dass wir wegen des Regens nicht schon um sechs Uhr gestartet seien.

Beim Eintreffen in Holzgau entschlossen wir uns zähneknirschend aber vernünftigerweise nach zwei Kilometern in die 130 Km-Schleife einzubiegen. Zu diesem Zeitpunkt war die Nässe in Kombination mit den frischen Temperaturen sehr, sehr unangenehm und kräftezehrend.

Als wir den Gaichtpaß (ca. 20Km vor dem Ziel) erreichten, spürte ich noch Kraftreserven, da ich mich schließlich auf die knapp 3000Hm eingestellt hatte. Ich ließ unsere kleine Gruppe zurück und forderte noch einmal meine Beine heraus.

Als ich schließlich am Haldensee vorbeikam, fuhr ein Polizeimotorrad an mir vorbei und sorgte für „freies Geleit“. Kurz darauf kam noch ein Organisationsfahrzeug mit gelben Rundumleuchten, machte Lautsprecherdurchsagen und warnte somit die anderen Verkehrsteilnehmer vor den zu erwartenden Radfahrern. Eine seltsame Situation. War etwa niemand vor mir?

Rainer Knauer am Ziel
Es war tatsächlich so. Etwa 300m vor dem Ziel wurde ich von cirka sechs sprintenden Bikern überholt. Es waren die ersten im Ziel. Irgendwie war das ein eigenartiges Gefühl. Schließlich startete die 130Km-Gruppe eine Stunde später um neun Uhr. Ich wollte im Boden versinken, da ich ja sozusagen „kapituliert“ habe. Dafür, dass ich die ersten rund 70Km bis zur Verpflegung in Holzgau jedoch kraftsparend gefahren bin, da sich bis dato ja noch das Hahntennjoch im Hinterkopf befand, bin ich mit dem Ergebnis von 3h 50min für die 130Km aber zufrieden. Der Sieger hatte eine Fahrzeit von 3h 11min.

Alles in allem bin ich froh, dass wir angesichts der widrigen Umstände den Weg der Vernunft und nicht den des Risikos gegangen sind. Einziger Wehrmutstropfen ist der, dass man somit aus der Wertung fällt und nicht gezählt wird.

Wie ich hörte, sind von 1.152 gemeldeten Bikern gerademal 580 ins Ziel gekommen. Gut 540 haben nicht einmal die erste Kontrollstation erreicht.

Ich habe noch nie einen dermaßen gut organisierten Rad-Marathon erlebt. Das war einfach Spitze!

Michael Hess